Deux mers

Ein mittelgroßes Eis bitteschön. “Semi”? Fragende Blicke. Dann wohl “Demi”, kommt mir jetzt zwar auch nicht richtig vor, aber kann man ja mal probieren. Fail. Jetzt also etwa doch “Midi”? Der Eismann schaut, als hätte ICH einen Fehler gemacht! … also auf die gute alte Tour, mit nacktem Finger auf die Waffel zeigen. “Ah oui, moyen”. Wie bitte, Moyen?! Demnächst bestelle ich nur noch große Dinge und werde vorher mal mit C. klären, ob da außer “grand” noch was anderes in Frage kommt.

Genug von den sprachlichen Unzulänglichkeiten der Franzosen…

Der Kanal zog sich noch lang. Sehr lang. Das ist schon echt hübsch, so um den Kanal drumrum. Sieht aber leider seit hunderten Kilometern immer gleich aus. Man muss zwischendurch mal einen Abstecher in die Dörfer machen; Anreize schaffen, Hirn lüften. Der Belag am Ufer hat stark nachgelassen. Bisher konnte ich komfortabel auf Asphalt rumrollen und musste nur aufpassen, nicht ins Wasser zu fahren. So 50 km hinter Toulouse hört der Luxus irgendwann auf. Wenns gut läuft, gibt es noch Schotter oder “wassergebundene Oberfläche” oder Rindenmulch. Und obwohl das hier ein amtlicher Fernradweg ist, kann man das meist nur mehr einen breiten Trampelpfad nennen mit allem was dazu gehört. Vor allem Wurzeln gehören dazu. Und Umleitungen. Die tauschen hier großflächig die Platanen aus, die mit ihren Wurzeln für Stabilität des Ufers sorgen. (Zahlen, Daten, Fakten: beim Mitzählen hätte ich auf 44.000 Platanen kommen müssen). Und dafür wird gesperrt – immer mindestens bis zur nächsten Brücke. Anfangs folge ich den Schildern noch, am Wochenende finde ich lieber die Lücken in den Zäunen.

Ich komme aber gut voran und beschließe noch einen Umweg über Narbonne zu fahren. Schnieke Fußgängerzone da. Mein “Kartenmaterial” (Google Maps) zeigt für den Abstecher nur eine Brücke weit und breit; würde schon passen. Es war dann eine alte Eisenbahnbrücke – sah aber stillgelegt aus. Zum umfahren gab es nichts und umkehren wär jetzt auch doof. Sah schon ziemlich stillgelegt aus… Also Lücke im Zaun suchen und rüber.

Bevor der Canal du Midi schließlich am Mittelmeer ankommt, muss er noch einen Tunnel passieren. Die Boote fahren ca 300 m durch einen Berg. Kannte ich vorher auch noch nicht.

Mit dem Mittelmeer dann der ersehnte Landschaftswechsel. Strand, Dünen, Schilf, Touristenrummel. Das brachte neben ganz schlimmen Campingplatz-Eindrücken aber auch wieder gutes Essen mit sich.

Na? Na? Anyone?

IMG_0452.JPG»Sous le Pont d’Avignon« (Drauf kam ich mit dem Rad nicht).

Die alte Papststadt war dann auch mein endgültiges Ziel. Und ich nehme mir noch mal zwei Tage Zeit für die Besichtigung. Die gesamte Altstadt ist noch mit der historischen Stadtmauer umgeben und es macht Spaß, sich in den kleinen Straßen zu verlaufen. Außerdem macht der Papstpalast ordentlich was her.

Jetzt ist Gepäck sortieren angesagt. Ich bin in einem Hotel am Flughafen Marseille und muss morgen früh nur noch über den Parkplatz 7 fahren und dann alles verpacken, dann geht es über Paris wieder heim.

Danke fürs Folgen. Und ich hab nicht einmal “Tour de France” geschrieben – außer, oh Mist…