Eine Abkürzung

Jim, Versicherungsvertreter aus South Carolina

Jim, Versicherungsvertreter aus South Carolina

Wir hatten eine gute Zeit in Flamingo, dem “Ort” in den Everglades. Wenn wir auf einem Campground eintrudeln, sind wir als Radreisende für die locals sowas wie bunte Hunde, oder “someone with a cute little Puppy”. Wenn wir – wie hier – länger irgendwo bleiben, kennen wir nach 12 Stunden die halbe Gemeinde. Besonders angetan hatten wir es diesmal Jim. Jim stammt aus South Carolina, ist frischgebackener Uropa und wollte endlich mal “serious fishing”. Also hat er sich zuhause für 2 Wochen abgemeldet, hat Zelt, Angel, Boot und die 9 mm eingepackt und ist die 1000 Meilen in die Everglades gefahren. Ein netter Kerl, der uns tatkräftig aus seinen PKW-gestützten Vorräten versorgte undneugierig war, ob wir denn in Deutschland Elektrizität, fließendes Wasser und asphaltierte Straße hätten.

Zur Weiterfahrt haben wir wieder einen langen Fahrrad-Tag vor uns. Wenn wir mittags planmäßig die Grenze vom Nat’l-Park erreichen, haben wir mit 40 Meilen (60km) gerade mal die Hälfte im Sattel geschafft. Eine Abkürzung wäre also nicht schlecht. Die Everglades sind die Trinkwasserversorgung für die Miami-Dade-Region. Außerhalb des Naturschutzgebietes gibt es daher breite Kanäle fürs Wassermanagement. Auf unserer Karte sehen wir breite Service Roads, die die Wasseradern begleiten und nach intensivem Studium finden wir eine gute Strecke zusammenhängender Wege, die uns einen großen Schwenk nach Norden erspart und insgesamt gut und gerne 15 Meilen gutmacht. Außerdem vermeiden wir so eine große Portion vom Highway US 1, der hier besonders eng und als Nadelöhr zu den Keys besonders verkehrsreich ist. Um den Zustand des Weges zu checken, beschließen wir, ein paar km reinzufahren. Es ist eine Dirtroad, etwas holpriger, etwas staubiger, aber es geht gut. Wir fahren 25 km, die Sonne steht nicht mehr ganz so hoch und es wird landschaftlich sogar noch recht reizvoll. Wir sehen ein halbes Dutzend Krokodile, die sich sonnen oder auf Beute warten. Aber für Essen auf Rädern sind wir heute zu schnell. Vor uns taucht die Brücke zur US 1 auf und wir gratulieren uns zu diesem cleveren Shortcut. Eine letzte Kurve noch, dann ins Getümmel auf die US 1.

Godammit! Vor uns ist ein 3 Meter hoher Zaun gewachsen, der den Weg zur Straße versperrt. Ein ziemlich massiver Zaun. Aber ein weiterer Blick auf die Karte zeigt eine gute Alternative auf. Nach 1/2 km kann der Kanal noch einmal überquert werden, bevor die Service Road endet. Auf dem anderen Ufer ist kein Zaun. Die vielen, großen Baumaschinen da drüben sehen allerdings nicht gut aus. Und richtig, beim Näherkommen stellt sich heraus, dass sie ein großes Loch in die Brücke gebissen haben und gerade Spundwände ins Wasser treiben.

Zurück zum Zaun. Kurze Pause und die Optionen erörtern: 3 Meter Zaun, die Brücke gibts nicht mehr, Rückweg über 25 km Dirtroad plus dann noch den regulären Weg, die Sonne geht bald unter. Camp aufbauen? Krokodil-Land! Die beste Option ist also: PANIK

Da der Blog ja nun weitergeht, haben wir die zweitbeste Variante gewählt und noch weitergesucht:

In Holywood fährste da jetzt mit Deinem SUV einfach durch...

In Hollywood fährste da jetzt mit Deinem SUV einfach durch…

Die Ausrüstung haben wir noch über den Zaun bekommen.

Die Ausrüstung haben wir noch über den Zaun bekommen.

Das Problem waren die Räder. Nachdem wir Pedale und Lenker abmontiert hatten, waren sie schlank genug und passten am Ende durch den schmalen Streifen zwischen Brücke und Zaun…
shortcut03

Den selben Weg haben wir anschließend genommen. Das war denkbar knapp; ein Ben&Jerry’s mehr und bei S. hätte es nicht geklappt! :o)

Der Rest war dann eine schnelle Montage, aufrödeln und nach 20 min. auf dem Highway waren wir auf dem Campground. Der allerdings ist eine Story für sich…