Finnished

Bei Urlauben dieser Art ist das Ankommen ja immer leicht ambivalent. Mit jeder anderen Reise gemeinsam hat man das Schade-Gefühl, dass nun alles vorbei ist und in den nächsten Tagen der Alltag wieder losgeht. Andererseits ist man pläsierlich und froh. Dass alles geklappt hat, dass nichts passiert ist, dass man endlich da ist.

Unsere letzte Nacht im Zelt hatten wir “wild” gecampt. Bei strahlendem Sonnenschein hatten wir uns ein lauschiges Plätzchen am Waldrand neben einem Kornfeld gesucht. Nachts kam was Schnüffelndes vorbei, aber als wir Nachschauten war es zu schissig. Pünktlich zum Frühstück begann es nochmal zu regnen und wir mussten ausgerechnet das letzte Zusammenpacken nass erledigen.

Der Weiße Dom in Helsinki

Der Weiße Dom in Helsinki

Auf dem Weg in die Hauptstadt haben wir zwischendurch fast noch die Abkürzung über die Autobahn eingeschlagen, aber letztlich sind wir dann bei schönstem Sonnenschein kurz nach Mittag in Helsinki eingetroffen. Auch hier war wieder eine tolle, sommerliche Atmosphäre. Die Skandinavier wissen ihre kurzen Sommer echt auszukosten. Helsinki ist klein und süß. Direkt neben Gucci und Prada liegt man auf der Wiese und macht Picknick.

Im Ziel stand uns nach etwas Edlerem der Sinn und wir haben ein schickes Hotel gebucht. Ein ehemaliger Knast, der zur Schicki-Micki-Pension umgestylt wurde. Das wichtigste für uns war ein schönes Bad. Es gibt echt viel zu duschen nach drei Wochen Fahrrad!
Die Organisation für den Rückflug hatten wir im Prinzip schon vor ein paar Wochen erledigt. Einmal mehr über CouchSurfing hatten wir eine Anfrage in Helsinki abgesetzt, ob uns ein local beim Fahrradhändler seines Vertrauens zwei gebrauchte Radverpackungen organisieren könnte. Innerhalb von wenigen Stunden bekam ich die Zusage, dass die Kartons bereits bei Christoph im Keller stehen und wir die uns abholen können. Das hat uns viel Aufwand vor Ort gespart. Super!

Fazit

Eine 10 von 10. Ein schönes Stück Europa, wahnsinnig tolle Landschaften und dabei noch vielfältiger als erwartet. Die Hauptstädte alle sehr individuell und eine schöner als die andere. Dazwischen gemütliche Dörfer und Städtchen. Ein freundliches Völkchen wohnt hier oben, wenn auch bisweilen arg zurückhaltend.

Der ‘sportliche’ Aspekt hat Spaß gemacht. Mal abgesehen von S`s Ausfalls zwischendurch. Am Ende waren es 1760 km im Sattel in Etappen zwischen 60 und 160 km. Der große Radmuskel (vulgo Hintern) ist nun gut in Form, der Rest geht auch so. Wir hatten lustigerweise nicht einen einzigen Plattfuß.

Und wir hatten nicht einmal die Taschenlampe an. Im Zelt konnte man noch um Mitternacht sein Buch lesen.

Diese Dämmerung hier am Ufer des Vänern ist von ca. 1 Uhr nachts

Schade wars um ein paar verpasste Gelegenheiten. So hatten wir bspw. unseren schwedischen Bekannten Magnus, den wir vor 10 Jahre das letzte mal getroffen hatten, um einen Tag verpasst. Und auch “unsere” Finnen (Couchsurf-Gäste in Berlin) waren an diesem Wochenende bereits in den Ferien.

Dafür sind wir dankbar für zahlreiche neue Kontakte, die uns auf der Tour bei sich aufgenommen haben oder uns hilfreich unterstützt haben. Jetzt warten wir auf den Flieger. Die Räder sind eingecheckt. Gleich gehts heim.

Das war leider unsere letzte gemeinsame Tour. S. hat mich inzwischen gebeten, ihren vollen Namen aus den Blogeinträgen zu entfernen. Dem komme ich natürlich nach, möchte hier jedoch für die Leser transparent machen, dass nachträglich alle Erwähnungen in jene Abkürzung S. verwandelt wurden.