Halbhalb ¯\_(ツ)_/¯

Bonjour Madame. Je voudrais bien le plate du jour, sil vous plait. Das ist der Satz, den ich mir aus 30 Jahre altem Schulfranzösisch und sonstigen Versatzstücken zusammengereimt habe. Den kann ich jetzt auswendig und ich bekomme immer was leckeres zu Essen wenn ich ihn aufsage. Rechtschreibfehler hört ja niemand. Probleme treten erst auf, wenn auf meinen so lockerflockigen – aber leider einzigen – Satz Rückfragen kommen. Ich versuche es dann meist erstmal mit oui oder non; was von meinem Gegenüber nicht stets als befriedigend angesehen wird. Das erscheint mir rückblickend auch einleuchtend, wenn man dann bei der dritten Wiederholung versucht, ein dem romanischen Wortstamm ähnelndes Fitzelchen zu identifizieren – und die Frage vermutlich nach dem gewünschten Bräunungszustand des Filets galt.

Das wirft auch gleich die nächste Frage auf. Wird das Steak nun semi, demi oder midi bestellt? Ok. Nach zwei Wochen habe ich herausbekommen, dass ich zwar am Canal du Midi entlang fahre, aber dies nicht die deutsche Entsprechung für Mittellandkanal ist. Heißt eher soviel wie Kanal im Süden. Zurück zum Fleischbröckchen: semi und demi sind meiner Meinung wohl noch ernsthaft in der Verlosung und ich habe noch keine Lösung. Die Chance stand 50:50 (haha) und semi hat das gewünschte gebracht. Das heißt, gewünscht im Sinne von vereinfachender Verständigung; eigentlich stehe ich mehr auf medium-rare, aber versuche mal in Frankreich Englisch zu sprechen – und das auch noch in kulinarischem Kontext. Mon Dieu!

Wobei… Es kennt ja vermutlich jeder das Vorurteil, dass einem in Frankreich jeglicher Fremdsprachen-Versuch durchgeht, sofern man die Eröffnung und die ersten Sätze Wörter ernsthaft und erkennbar bemüht in der Landessprache versucht. Und das klappt wirklich. Ich habe es mir – später auf Englisch – dann erklären lassen. Es geht dabei ganz viel um Stimmung und Atmosphäre. Eine Fremdsprache vorauszusetzen gilt als unhöflich. Der Versuch, in der Sprache desjenigen, von dem etwas will, zu sprechen, wird vorausgesetzt. Dass man es dann am Ende nicht so gut kann ist dann kein Problem. Ab diesem Moment verständigt man sich in allen zur Verfügung stehen Sprachen sowie Händen und Füßen.

Wenn ich nochmal auf die Situation im Restaurant zurückkommen darf. In der gleichen Bestellung gilt es nun zu entscheiden, wieviel Vin es denn sein darf. Der Hauswein kann im Glas sowie als viertel, halber und ganzer Liter bestellt werden. Das halb von eben gilt jetzt aber bereits nicht mehr. Der Semi-Liter wird zum Demi-Liter. Warum weiß ich auch nicht, aber meinem vermutlich nahezu akzentfreien Bestell-Repertoire habe ich erfolgreich die entsprechende Lektion hinzugefügt. Läuft.