Lecker geht los

Tja. Also warum Frankreich. Die Idee stammt noch aus einem anderen Leben und sollte jetzt einfach mal umgesetzt werden. Die ungefähre Route hatte ich noch mit S. zusammen geplant, damals musste es leider krankheitsbedingt ausfallen. Zweidrei Jahre später gehe ich nun alleine auf Gourmet-Tour.

Beim Karten studieren für die Route kam es darauf an: einfaches Höhenprofil, Wind von hinten und möglichst vielfältige Küchen. Austern in Charente-Maritime, Wein im Médoc und um Bordeaux (sowie alles, was man damit in der Küche noch anstellen kann), später Languedoc und Provence mit ihrer Mittelmeerküche. Dazwischen immer wieder Fromage. Kann also sein, dass ich diesmal Essen knippsen werde. :)

In den touristischen Gebieten gibts in den Restaurants auch eher Pizza, Burger oder noch deutscher. Aber wenn man sich durchfragt, wirds lecker! Dank dem Tipp einer Freundin mit viel Frankreich-Erfahrung kann man sich auch gut nach den Auszeichnungen des Guide du routard richten. Gastronomen die eine haben, kleben sich das auch an die Tür.

Drei Wochen auswärts essen strapazieren das Budget. Preislich günstiger sind meist die Dreigänge-Menüs. Die halten dann meist mehrere Alternativen je Gang bereit – ich nehme dann das, was ich noch nicht kenne. Eine empfehlenswerte Methode! Und Fahrradkleidung ist ja dehnbar…

Der Start in La Rochelle war dann erst nochmal eine Fähre rüber nach Île d’Oléron. Nach Boyardville, vorbei am gleichnamigen Fort im Atlantik. Auf prima Radwegen habe ich dann eine große Schleife über diese schöne Insel gedreht. Ernährt habe ich mich von Austern aus einer bunten Bretterbude und Brombeeren. Die wachsen da wirklich verschwenderisch überall und scheinbar als Unkraut. Es scheint so, als ob die nie abgeerntet werden.

Im Südwesten ist das Hauptdorf mit urigem, bunten Hafen. Für die Fête de l’Huître am Abend konnte ich nur die Vorbereitungen bewundern, war aber insgesamt zu früh dort. Nach einer ausgedehnten Insel-Runde bin ich dann über die 2,5 km Brücke wieder auf dem Festland angekommen.

Auf dem Campingplatz war dann der Velo-Strand wegen Sturmwarnung gesperrt. Also echt jetzt! der Atlantik und meine Tour-Planung passen scheinbar nicht zusammen… Ich konnte mein Zelt dann auf einer normalen “Parzelle” aufschlagen, wo bereits ein anderer Radreisender gepitcht hatte und später noch ein dritter dazukam. Lustigerweise konnten wir uns bei dieser Ménage-à-troi zwar alle miteinander unterhalten, aber nie alle drei gleichzeitig. Mein Französisch taugt nicht und der Franzose hatte das gleiche Problem mit Deutsch. Also haben wir beiden uns auf Englisch unterhalten. Mit dem Schweizer konnte ich nur deutsch reden, denn der wiederum sprach kein Englisch, parlierte aber mit dem Franzosen in dessen Muttersprache.

Der Sturm kam auch tatsächlich. Hat ein bisschen an den Zelten gerappelt, war aber eher gemütlich, als bedrohlich (und: abends wenig trinken, sonst musste nachts raus). Am nächsten Tag ist das ganze zu einem steifen Wind abgeflaut. Die Küste ist ab hier allerfeinster Sandstrand. In Fahrtrichtung Süden ist daher jetzt meine rechte Seite gesandstrahlt. Und die eine oder andere Düne ist über Nacht auf den Radweg gewandert. Trotz dicker Reifen hats mich beim durchfahren hin und wieder abgeworfen :)