Mordor

Paul mit seinem Velotraum habe ich im Village National Park wieder getroffen. Wir sind jeweils links und rechts am Lake Taupo, dem größten See hier in Neuseeland, vorbeigefahren. Also westlich und östlich davon. Jetzt haben wir uns hier im Backpacker Hostel ein Zimmer geteilt und einen Regentag ausgesessen. Allgemein ist das Wetter inzwischen aber richtig schön sommerlich. Es war eigentlich erst der zweite Regentag. Nachdem es aufgeklart hatte, sieht es von der Terrasse so aus:

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Der nächste Tag ist wieder hochsommerlich und der ideale Tag für die Tongariro Alpine Crossing. Eine spektakuläre Bergtour über einen aktiven Vulkan; der letzte Ausbruch ist auch schon wieder drei Jahre her, und die Frühwarnsysteme sollen recht verlässlich sein (wobei… nein, eigentlich nicht). Früh morgens ist Aufbruch für den knapp 20km langen Trail. Die große Höhe und die vulkanische Erde schaffen eine bizarre Landschaft. Alle paar hundert Meter ändert sich die Perspektive auf die drei Gipfel Tongariro, Ruapehu (das ist der weiße) und Ngauruhoe.

Neuseeland ist ja eigentlich auch Mittelerde. Einige der Auenland-Filmsets aus den Trilogien Herr der Ringe bzw. Hobbit kann man auf der Nordinsel gegen den Einwurf großer Scheine besichtigen. Nur mit Schweiß und platten Füßen hingegen kann man dafür nach Mordor. Mit seiner fast perfekten Kegelform war der Ngauruhoe die Kulisse für das düstere Reich. Viel brauchte Peter Jackson dazu in der Tat nicht. Ein bisschen Farbe raus- und Drama reindrehen: schöner wohnen für Sauron.

Die Originale sind in knapp 2000 m Höhe aber auch nicht viel lebensbejahender. Aber dafür wunderschön. Ich habe sicherheitshalber auch mal den aufgehenden Erdtrabanten mit drauf; nicht das wieder einer Verschwörung ruft “Orrrr, das ist doch auf dem Mond geknippst”.

An manchen Tagen kann man den Mt Taranaki in 260 km Entfernung sehen: Voilà

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Das Wasser hier ist wegen dem Schwefel nicht trinkbar. Daher gedeiht so gut wie nichts auf den Hängen. Ein paar Flechten und ein bisschen Moos haben es in manchen Bimssteinen geschafft.

Wir hatten zwar jetzt schon einige gute Tage zusammen, aber sind noch nicht einen Meter Rad gefahren. Das holten wir nun nach, als wir am nächsten Tag für etwa 50km die gleiche Strecke hatten. Die führte uns als erstes nach Smash Palace, offenbar neuseelands berühmtester Schrottplatz. Hier rosten ein paar schöne Oldtimer vor sich hin. Später führte unsere Strecke zu zwei alten Eisenbahnviadukten in der gleichen Farbe. Man denkt sich ja nichts, wieso diese Strecke “Old Coach Road” heißt… sollte man aber, denn das war die alte Postkutschen-Straße. Und die führte über Kilometer durch den Wald. Auf Kopfsteinpflaster. Groß wie Kinderköpfe.

Irgendwann habe ich dann meinen Bus in Richtung Süden genommen und Paul macht nun am Fluß entlang. Der Gute hat fünf Monate Zeit für Neuseeland (und Gepäck für zwei Jahre). Gute Fahrt, und viel Rückenwind!