Munchin’ some Scroggin

Die Tour ist wunderschön, wenn auch fordernd. Die Landschaft ist so abwechslungsreich. Vieles an der bisherigen Strecke erinnert mich auch ein bisschen an Schottland oder Skandinavien. Um bei der nächsten Kurve oder Kuppe wieder etwas ganz exotisches zu sehen. Insbesondere die Pflanzenwelt ist krass. Die meisten Baumarten sind für mich unbekannt. Und obwohl hier offenbar sehr viel Forstwirtschaft betrieben wird (massig Holztransporter), sind viele Bäume riesig groß. Und dann die Farne. Es gibt mehrere Arten und meistens wächst auch das baumhoch. Bei den Tieren sorgen vor allem die Vögel für den Exotenbonus. Am Weg sieht man Wellensittiche und/oder Papageien in allen Farben. Die passen gut zu den Callas und Anthurien, die hier wie Unkraut wachsen. Säugetiere, die man bisher so sieht, sind dagegen eher bekannt. Schafe und Kühe; vielleicht mit den europäischen Siedlern importiert. Und Opossums, die leben am Straßenrand und sind meist sehr flach und sehr tot.

Fordernd ist das Landschaftsprofil, aber das wusste ich ja vorher. Ich bin noch nie etwas hügeligeres gefahren. Und zwar was die Höhe betrifft aber auch den Grad der Steigungen. Aber ich komme alles in allem ganz gut über die Rampen. Noch fordernder ist wieder mal der Wind. Das wird so langsam der Treppenwitz meiner Radurlaube! Nachdem der Atlantik mich schon mehrfach weggeblasen hat, lässt sich derzeit auch der Pazifik nicht lumpen mit Windgeschwindigkeiten von 6 oder 7 Bft. Aber mein Rad hat seit neuestem ein Geweih. Mit dem Triathlon-Aufsatz kann ich mich schon ein gutes Stück vor dem Wind verstecken und insgesamt klappt das erstaunlich gut. Dafür gehört in die Tasche immer eine Handvoll ‘Scroggin’. So heißt hier der lokale Trailmix und der gibt immer die nötigen Körner für die kommende Steigung gegen den Wind.

So sammle ich meine Kilometer, halte oft zwischendurch für ein Foto oder ein Schwätzchen an. Die Leute hier lieben Schwätzchen! Ohnehin handelt es sich um ein sehr freundliches Völkchen, wie mir scheint. Und das Englisch hier ist ziemlich gut zu verstehen; ich würde sagen, auf jeden Fall besser als Schottisch.

Ich habe nun ein paar Tage Wildnis vor mir. Nach den Hot Pools vom Morgen war nun der eiskalte See dran. Und zwar “alternativlos” – denn Wasser oder gar Dusche gab es dort nicht. Dafür habe ich mein Zelt direkt am Ufer gepitcht und der Ausblick morgens ist unbezahlbar.

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Heute habe ich nur wenig Strecke gemacht und war entsprechend früh fertig. Was für ein Luxus, stundenlang im Gras in der Sonne zu liegen. Ich bin mitten im Urwald und die Geräuschkulisse der Vögel ist unbeschreiblich. Wenn ich versuche zu unterscheiden, komme auf 20+ verschiedene Rufe; es sind bestimmt noch mehr. Ich glaube, Nokia und Co. haben hier damals ihre Klingeltöne aufgenommen. Hier ist das Basecamp für einen 80km Trail, den ich die nächsten beiden Tage fahren will.

Netz gibt es hier nicht. Den Eintrag lade ich beim nächsten mal mit hoch.

Es war Spek. Ta. Ku. Lär!

Mit den ersten 15km musste ich zunächst auf knapp 1000m hoch. Vom Basecamp aus windet sich der Waldweg um den Hang herum gut 500m nach oben und ich hatte mich eigentlich bereits auf schieben eingestellt. Aber die meiste Strecke könnte ich dann doch fahren.

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Nach wenigen km kommt man an die einzige Schutzhütte, und da haben sie einen im Urwald aufgegebenen historischen Caterpillar abgestellt. Der Rest des Weges ist dann 80 km pure Natur. Moosbewachsene Bäume formen ein undurchdringliches Dickicht, unterbrochen von Wasserfällen und Lichtungen. Und eingehüllt ist das Ganze von einer schier unglaublichen Geräuschkulisse der Vögel.

Der Trail wird durch die gut 30 Brücken passierbar. Und nach ein paar Stunden gelangt man an die erste von 4 großen Swing-Bridges. Es wobbelt in alle Richtungen und bei der ersten Brücke sind die Knie noch ein wenig unsicher. Aber Himmel: genau für sowas fährt man Radreisen!

Die Strecke ist ein Paradies für Mountainbikes, aber mein Rad schlägt sich echt gut. Aber mit Tempo kommt man hier nicht durch. Nach 6 Stunden (netto Fahrzeit) und 40 km komme ich auf halber Strecke auf dem Camp an. Ein Platz so groß wie drei Fußballfelder mitten im Urwald. Es ist Samstag Abend und daher recht gut besucht; wir sind ca. 6 oder 7 Partien. Um den Tag perfekt zu machen, geschah die Variante im-Gras-liegen-und-auf-den-Sonnenuntergang-warten diesmal in der Nähe von dem offenen Kofferraum von Daniel und seinem Bruder. Aus dem Kofferraum kommen Pink Floyd und kaltes(!) Bier.

Ganz früh geht es morgens weiter. Die nächste Brücke ist mit über 140 m Spannweite auch die größte. Danach ist der Trail wieder eine stillgelegte Bahnlinie. Bahnlinien sind toll, denn die alten Strecken wurden mit max. 2 oder 3 Steigung/Gefälle angelegt. Was für eine Achterbahnfahrt! 17 oder 18 km straight downhill. Inklusive einer Spirale, die die Holzfällerzüge früher zur Höhengewinnung nehmen mussten.

So konnte ich nach einer bemerkenswerten Tour den angepeilten Überlandbus gut erreichen. Mit dem bin ich dann ein paar km weiter und habe mir einige ganz arge Berge erspart.