Naht oder Fahrung

Hoffentlich liest das jetzt meine Mutter nicht. Die macht sich immer so schnell Sorgen. Aber wir müssen mal über den Verkehr hier reden. Die Neuseeländer sind angeblich die schlechtesten Autofahrer der Welt. Und obwohl mir noch ein paar Teile der Welt fehlen, würde ich dem jedenfalls zustimmen. Ich möchte sogar annehmen, dass der automobile Kiwi insgeheim stolz auf diesen Rekord ist und ihn regelrecht pflegt.
Ein bisschen liegt es ja auch an den Straßen hier. Die sind aufgrund der Landschaft halt meistens eng, kurvig und steil. Aber man fährt das eben gerne sportlich und so eine Shoulder in der Innenkurve gehört nunmal geschnitten; Radfahrer hin oder her. Als Sicherheitsabstand beim Überholen gilt ein halber Meter als angemessen. Der kann bei Gegenverkehr aber gerne auch mal deutlich unterschritten werden. Hier wartet wirklich niemand ein paar Sekunden hinter einem Fahrrad, bis man sicher vorbeifahren kann.

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Beim Schwätzchen abends erfahre ich dann, dass es dafür “keine Kultur” gäbe. Ein schöner Euphemismus. Ein anderer wurde dann doch deutlicher: so lange man nicht erwischt wird, ist es ja wohl kaum illegal.
So fahre ich ein wenig nach Gehör und hoffe das Beste, wenn von hinten ein Hillbilly mit seinem Pickup-Boots-Gespann anrauscht oder einer der unzähligen Camper – meist gesteuert von Touristen, die sich noch an Linksverkehr und das große Auto gewöhnen. Etwas besser ausgebildet sind glücklicherweise die Trucker. Aber wenn so ein 9(!)-achsiger Roadtrain mit seiner Bugwelle an Dir vorbeibrüllt ist das auch nicht wirklich schön.
Einige Highways mit langen Steigungen habe ich mir inzwischen erspart und bin dort auf Inter City umgestiegen. So heißt hier das nationale Fernbus-Netzerk. Wenn ich die Laufräder abnehme, ist das Rad ein Gepäckstück und darf mit.

Zwischen den Jahren hatte ich die Fähre über die Cook Strait genommen. Die Meerenge zwischen den beiden Hauptinseln war wieder etwas kräuselig und der Skipper fordert alle auf, sich einen Sitzplatz zu suchen; ergänzt um ein ermunterndes “aaaand Showtime”.
Ging dann aber. Die Gegenseite von Wellington auf der Südinsel ist Picton. Das ist nicht viel mehr als ein kleines Dorf mit großer Anlegestelle. Aber die Anfahrt! Hammer. Das Schiff fährt kurvenreich durch die Postkarten Tory Channel und Queen Charlotte Sound. Hier noch ein paar Fotos davon. Zur Ablenkung und zur Beruhigung für meine Mutter. Falls sie das jetzt doch gelesen hat nach dem Umzug.

Frühstücksaussicht - tauschen anyone?

Frühstücksaussicht – tauschen anyone?