New Zealand in a Nutshell

Sie haben die Bahnstrecke rechtzeitig wieder hinbekommen. Das wird also nix mit hierbleiben. War aber auch wirklich eine schöne Fahrt. Viele der so vielfältigen Landschaften, die ich in den vergangenen zwei Monaten hier gesehen habe gab es nun nochmal im Schnelldurchlauf. New Zealand in a nutshell. Am Ende vom Zug haben sie einen Cabrio-Waggon ohne Fenster drangehängt. Und damit ist nun auch die Frage geklärt, ob deutsche Touristen vier Stunden ununterbrochen aus einem rumpelnden Zug fotografieren können… geht – für Euch getestet.

67.000 Zug-fährt-eine-schicke-Kurve-Fotos später bin ich in Christchurch. Nun waren die Städte hier im Lande schon sowieso nicht so aufregend. Aber die größte Stadt der Südinsel ist schon besonders deprimierend. Oder anders gesagt, es gibt fast nichts hier. Außer Baustellen. Bei dem großen Erdbeben 2010 wurden in der Innenstadt 70% der Gebäude zerstört oder mussten nachträglich abgerissen werden. Fast ausschließlich Holzstrukturen sind erhalten geblieben. Es hat einige Zeit gedauert, um sich davon zu erholen und den Wiederaufbau städteplanerisch anzugehen. Nun sind viele internationale Bauprojekte im Gange.

Auch die Kathedrale hat es böse erwischt. Die Reste sind einsturzgefährdet und wie es damit weitergeht (und wann) ist derzeit total offen. Übergangsweise gibt es nun eine Kathedrale komplett aus Pappe. Plus ein bisschen Regenschutz.

Und es gibt 600.000 Pylonen, die den Verkehr regeln. Weltrekord möchte ich annehmen.

Der Stadtkern besteht derzeit aus umgebauten, bunten Schiffscontainern. Sie nennen das re:Start und drumherum stehen massenhaft Kräne. Dazwischen fährt eine historische Straßenbahn und macht dieses Sammelsurium vermutlich ziemlich einmalig und auf jeden Fall recht skurril.

Zum Abschluss noch ein paar Bilder. Als ich von den Gletschern wieder weg bin, hat auf den letzten Drücker noch ein schöner Rundflug hingehauen. Luftlinie ist es nur ein kurzer Hopser über die Berge und ich war wieder bei meinem Mt. Cook. Ich bin inzwischen echt angefixt auf Berge und werde in Zukunft bestimmt mehr Touren in alpinen Regionen planen.

Leider ist die Bildqualität im Blog auf dieser Tour wieder sehr schlecht. Ich muss die Bilder kleinrechnen, denn unterwegs steht meist nur wenig Volumen zum Hochladen zur Verfügung. Dabei bleiben vom Original ungefähr 18% übrig, das ist für den hier tippenden Knipser sehr schmerzlich; außerdem finde ich keine halbwegs brauchbare App für diesen Job (ideas anyone?). Wer also nur wegen den Bildern hier ist, den lade ich ein, in zwei-drei Wochen nochmal vorbeizuschauen. Bis dahin erstelle ich ein Album mit gescheiten Bildern (ich schleppe ja nicht umsonst drei Objektive auf dem Rad mit); vielleicht tausche ich auch nochmal die Bilder im Blog aus.

Stammleser wissen schon, dass jetzt der Teil mit dem Fahrrad packen kommt. Ich mache es kurz: alles sehr entspannt.

Es war eine tolle Reise. Mit landschaftlichen Eindrücken, die alle meine Erwartungen übertroffen haben. Mit super Begegnungen unterwegs (fun fact am Rande: in Greymouth, wo ich den Zug bestiegen habe, habe ich nochmal Paul getroffen; die gegenseitigen Geschichten haben 5 Jugs gedauert…). Technisch und gesundheitlich war alles cool. Das “dramatischste” war ein Speichenbruch: ich hatte vorher die Spareparts rigoros ausgedünnt und die Ersatzspeichen sind beim Packen dreimal aus dem Gepäck geflogen; glücklicherweise aber einmal mehr wieder rein. Ein bisschen gemeinsames Tüfteln mit einem Mechaniker an ausgerissenen Ständergewinden und dann noch zwei oder drei Plattfüße – das wars.

Das beste war die lange Zeit, die mir zur Verfügung stand. Ein echter Luxus. Es war schön, nur mit ein paar Ideen für die grobe Richtung, aber ansonsten ohne echten Zeitplan unterwegs zu sein. Bei Bedarf habe ich mehrmals die Pläne geändert und hin und wieder konnte ich an schönen, aufregenden oder einfach auch nur nassen Orten einfach mal irgendwo länger bleiben.

Insgesamt war es jede Steigung, jede Windböe, jeden Sonnenbrand, jedes Schlammloch und jedes bekloppte Überholmanöver wert.