Skandinavien vs. USA

Sicher. Vergleiche zwischen den Ländern verbieten sich. Sie sind eigentlich auch quatsch. Aber für ein paar radrelevante Disziplinen will ich die rein subjektiv wahrgenommenen Unterschiede zwischen den beiden Touren in diesem Jahr trotzdem mal hochoffiziell feststellen:

  • Radwege

Wenn in den Staaten ein Radweg geplant wird, kann man sich das vermutlich so vorstellen: ein Beamter – fährt privat einen SUV – malt auf eine grobe Landkarte seines Bundesstaates mit Lineal einen bunten Strich und schreibt “bike path” dran. Fertig. Mit Glück hat die Straße dann noch eine breite Shoulder und der Cyclist damit einen eigenen Lebensraum. Dabei ist davon auszugehen, dass die Shoulder voller Gerödel ist, das entweder gerade verwest oder in Reifen stechen kann.
Hier in Skandinavien fährst Du meistens auf Fahrradstraßen. Mehrspurig. Zuckerasphalt. In alle Richtungen bergab. Dazu topft der Wege-Beamte eigenhändig Lupinen.

  • Höhenprofil

Florida ist flach wie ein Pfannkuchen. Die höchsten Erhebungen sind wohl die Brücken und man kommt schwerlich mal auf über 20m ü.N.N.

In Google Earth sieht Skandinavien auch flach wie ein Pfannkuchen aus – zumindest unser Teil. Aber Pustekuchen. Von Oslo raus hatten wir mit 300 Metern den höchsten Punkt. Das wäre ja nun eigentlich auch wirklich kein Problem. Aber erstens: da ist ja noch das Gepäck. Und zweitens die geologische Struktur. Jede Erhebung zelebriert ihren Minipeak mit drölfundvierzig Anstiegen – und zwischendurch zurück auf Seelevel. Diese wunderbare Schärenlandschaft wurde in diversen Eiszeiten geschliffen. Es ist praktisch überall hügelig und der Untergrund ist felsig. Da ist eine Straße halt nicht bretteben sondern mäandert wellig durchs Gefilde. Und jeden Meter runter, gehts auch wieder hoch. Und drittens: das Gepäck…

  • Das Essen

Essen in den USA ist eine Erfolgsgeschichte und aus meiner Sicht schnell erzählt: viele Ethnien, viele Einflüsse und ein ausgeprägter Geschmacksdarwinismus sorgen dafür, dass das beste Essen von überm Teich kommt.

In Europa gibt es scheinbar so etwas wie ein Nord-Süd-Gefälle. Offenbar ist es aus kulturhistorischer Entwicklung dann irgendwann auch egal, was in den langen Winternächten in den Topf und auf den Tisch kommt. Die dünn gesähten Klassiker haben wir versucht, aber keiner hat es in den erweiterten Favoriten-Kreis geschafft. In den Städten ist ohnehin “internationale Küche” angesagt: Chinesische Restaurants haben  Ente-7-Köstlichkeiten, Pizza, Döner, Kötbullar – beim Italiener gibts hingegen Pizza, Döner, Kötbullar und Ende-7-Köstlichkeiten.

  • Campingplätze

Klares Plus für Nordamerika. Es ist ein lustiger Gedanke sich vorzustellen, wenn ein Durchschnitts-Camper (US) in auf einem Durchschnitts-Platz (EU) auflaufen würde. Mal davon abgesehen, dass das 18-Meter-Gespann hier um keine Kurve kommt, fehlt es vermutlich an den Basics: full hookup (Anschluss für Strom, Wasser, Scheiße und Kabel-TV am Platz), Holzbank/-tisch und Grill. Aber das wichtigste: viiiiiel Platz. In einem Staatepark sollte der Nachbar nicht in der nächsten Parzelle zu sehen sein, sondern knapp vor dem Horizont. Wie jetzt… “no campfire! Are you kiddin’ me?”

  • Landschaft

Aus Radfahrersicht klarer Punktesieg für Europa. Sicher, drüben gibts auch schicke Ecken. Aber die Entfernungen sind einfach zu groß für Ein-Monats-Touren. Für Entschleuniger letztlich zu eintönig, da brauchst Du was mit Motor. In Schweden und Norwegen hauts Dich dagegen jeden Tag mit neuen Motiven aus den Schuhen.

  • Kosten

In den letzten Jahren haben wir mit freundlicher Unterstützung des Doller-Euro-Kurses drüben echt günstig gelebt. Schweden und bedingt Finnland kann man ganz gut mit zu Hause vergleichen. Dänemark zählt nicht, da waren wir ja nur 1½ Tage. Aber Norwegen zieht Dir den Stecker! Im normalen Einzelhandel konstet das Meiste locker mal zwei. Bei Dienstleistungen aller Art ist es sogar noch krasser. Im Restaurant sind die Portion halbiert und der Preis verdoppelt. Aber am besten ist alkoholisches: nach Steuer und Petrodollar-Kaufkraft legst Du für ein Sixpack Bier im Supermarkt 26 Euro hin. 26 Euro!

Nochwas?

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Och ja. Eis findet hier zwar statt, ist aber eine komplett andere Liga als die Homemade- und Dairy-Sachen an der Ostküste. In Stockholm ist 18 smaker und Stikki Nikki noch zu empfehlen. Ist ganz okay, auch wegen gucken. Königspudel und so.