A weather is coming in

Um vom der Insel später wieder runter zu kommen, hatte ich eine kleine Privatfähre gefunden. Damit sollte es weiter gen Norden gehen; für Sonntag hatte ich mich angemeldet.

Am Freitag hat mich dann eine SMS von Skipper Nicol erreicht: Aufgrund der Wettervorhersage wird die Fährverbindung voraussichtlich am Sonntag eingestellt. Wie ärgerlich, dann werd ich wohl doch die Autofähre vom Hinweg nehmen müssen. Den riesigen Pötten wird so ein wenig Wind ja wohl nix ausmachen. Jedoch “..Sailing cancelled. Due to adverse weather conditions of North Westerly winds gusting 50 knots…”

50 Knoten sind über 90 Stundenkilometer. Wenn das nicht gerade Schiebewind ist, will man da nicht nur nicht Fähre sondern auch nicht Rad fahren. Und vermutlich auch nicht Campen. Ab Mitternacht ging es dann so langsam zur Sache. Der Wind hat aufgefrischt und es hat gekübelt wie aus Eimern. Am nächsten Morgen mussten einige ernüchtert Bilanz ziehen – bei Nachbars gabs kleinere und größere Schäden an den Zelten, ein Totalverlust… Und es war erst Samstag früh, die Unwetterwarnung galt für Sonntag Mittag!

Ich musste also etwas umplanen, Strecke und vermutlich Unterkunft nochmal überdenken. Meine Fahrziele für den Tag waren jetzt noch die Destillerien im Süden der Insel – da konnte ich mich schön aufwärmen – und dann nach Bowmore, dem Hauptort. Hier gibts immerhin eine Touristinfo und nachdem online/telefonisch alles bisherige ergebnislos verlief, würden die mir doch wohl noch ein Bett besorgen können.

Konnten sie nicht. Zehn erfolglose Telefonate später stellt die Lady fest, Islay ist voll. Also weiterradeln bei echt schottischem Wetter. Da ich aufgrund der Vorhersage nicht wild campen wollte, waren es noch zwei Stunden, einmal um die Bucht herum bis zu meiner Campsite. Unterwegs noch ein paar vage und erfolglose Versuche in Hotels und B&Bs an der Strecke. Die Jugendherberge 100 Meter vor dem Zeltplatz ist es dann geworden. “Wir haben Dich schon erwartet” (auf deutsch). – “Huh? What?”

Unterwegs hatten mich Zeltnachbarn vom Vorabend überholt und meine Unterkunft richtig geraten. Im Zimmer dann “we knew, it was you” und “our tent died”.

Heute früh habe ich dann richtig Erfahrung mit dem Wind gemacht. Das erste mal überhaupt habe ich mein Rad am Berg schieben müssen. RUNTER! Es ging einen kleinen Pass hoch, mitten durch Schafherden und wie seit Kilometern mit @#%@!&/ Gegenwind. Auf dem Kamm schaue ich dann direkt auf den Atlantik. Ein beeindruckender Anblick, aber diese Passseite ist dermaßen exponiert, da ist an runter rollen nicht im Traum zu denken. Bei manchen Böen hatte ich schon als Fußgänger meine liebe Not. Ich habs ein Stück probiert: der Wind hat mich bergauf geschoben!

Der Regen ist bei diesen Konditionen echt speziell. Er fällt fast im 90°-Grad-Winkel. Das hat aber auch Vorteile: auf die Tour braucht man zum Unterstellen kein Dach, es reicht eine Mauer oder ein dichter Busch in Windrichtung. So ein Schauer dauert ungefähr eine Minute – und das reicht zum nass werden. Richtig nass.

Gegen Mittag war an Weiterfahren überhaupt nicht mehr zu denken. Der Wind von vorne bremst auf fast null, es haut Dich regelrecht vom Rad. Insgesamt habe ich in 4 Stunden sage und schreibe 35km geschafft.

Bin auf Bed & Breakfast umgestiegen, von wo ich noch eine Destillerie zu Fuß erreiche. Werde den schönen Tag dort noch gebührend ausklingen lassen.