Windjammer

Mit der erste Blick morgens ist bisher der auf die Wetter-App. Theoretisch weiß ich in 60 Minuten-Fenstern, wann ich im Laufe des Tages klitschnass werde. Laut App sollte ich seit Sonntag fast durchgehend in Regen fahren. Aber diesbezüglich habe ich recht viel Glück mit dem Wetter. Bis auf Montag was es bislang trocken. Kalt und wechselhaft, aber meist sonnig. Liegt vermutlich am Wind!

Nach Hochrechnung der ersten Tage hatte ich in Richtung Am’dam als finale Etappe geschielt. Bei dem Wind der letzten Tage habe ich nochmal umgeplant und werde den Rest nur noch kurze Tagesetappen fahren. Auch wenn es zunehmend larmoyant klingt, der Wind stellt inzwischen ein echtes Problem dar. Gestern und heute bin ich 200km gegen eine 30km/h scharfe Brise, garniert mit stürmischen Böen, angetreten. Ich schleiche mit zermürbendem 15er-Schnitt daher und verbrauche dabei Watt wie für einen Zielsprint. Ich bin eigentlich gut im Training und (was das angeht) auch kein Weichei, aber die Beine sind echt sauer. Nächstes Mal dann doch die Fluss-Tour, von mir aus auch Richtung Quelle. Ich werde also wahrscheinlich nur noch bis Emden fahren und dabei die Nord- und Ostfriesische Landschaft etwas intensiver genießen.

Der nächste Haven hört auf den Namen Wilhelm. Hier ist traditionell die Marine Hauptmieter im Hafenbecken. Da man das wohl nicht als nachhaltig einstuft, hat man den schicken Jade-Weser-Port gebaut. Für den ersten und einzigen Tiefseehafen Deutschlands hat man hier 600 Mio. Euro verbaut und hofft auf viele große Schiffe. Seit einem Jahr ist das Ding nun offen und im Durchschnitt werden hier – kein Scheiss – monatlich 3 (drei) Container umgeschlagen.

Seit dem Knick oben links raus weg vom Jadebusen habe ich nun nicht mehr nur das Meer auf meiner rechten Seite, sondern auch die 7 friesischen Inseln. Ich werde mir noch einen Merkspruch für Wangeroogespiekerooglangeoogbaltrumnorderneyjuistborkum von Ost nach West ausdenken.

Die Fähre nach Spiekeroog macht in Neuharlingersiel fest. Hier bleibe ich für heute. Wohne diesmal direkt am Hafen – sieht doch mal so richtig Postkarte aus.