World’s Capital of …

Hier sind alle ganz verrückt nach Weltrekorden. Die Geschichte des besiedelten Neuseeland reicht ja auch kaum mehr als 150 Jahre zurück. Hier gibt es nix geschichtsträchtiges zu besuchen. Das historischste was die Städtchen hier zu bieten haben ist meistens eine Bronzestatue, die einen Schäfer mit seinem treuen Hund zeigt; dem Begründer der jeweiligen Siedlung (es ist wirklich immer ein Schäfer). Für touristische Attraktionen braucht es also offenbar noch etwas anderes: also Rekorde. Ernste und weniger ernst gemeinte.

World’s Capital of Steil ist beispielsweise Dunedin. Dort kann man die steilste Straße der Welt erklimmen. Was bebaute Straßen angeht, so scheint das guinnessseitig sogar anerkannt zu sein. Man kann aus dem Erdgeschoss dem Nachbarn aufs Dach spucken. Die Baldwin Street hat 35% Gefälle und ich habe es gar nicht erst versucht mit dem Rad.

Hingegen lag Taumatawhakatangihangakoauauotamateaturipukakapikimaungahoronukupokai­whenua­ki­tana­tahu – und damit offenbar der Ort mit dem weltlängsten Namen – nicht auf meiner Route. Dabei hatte mein Bruder, als wir im Herbst über die Tour geplaudert hatten, eigens versucht, den Namen auswendig zu lernen. Na wer weiß, wofür man das später mal brauchen kann.

Unterwegs findet man immer einen highest/first/deepmost/coldest/coolest/only/any-superlative-adjective mountain/lake/river/settlement/any-landscape-noun on/in North/South Island/New Zealand/the Southern Hemisphere/the World. Dazwischen findet man die augenzwinkernden Rekorde. Etwa “the Capital of Green Mussels” für ein Fischerdorf mit dem exklusiven Vorkommen dieser Muschelart. Oder die heimische Brause, die mit dem Slogan wirbt “world famous in New Zealand”. Und natürlich dem höchsten Bungy-Sprung der Welt (wer es ausprobieren möchte: hier muss der innere Schweinehund gegen 134m gummiseilgebremsten Fall antreten).

Und das bringt uns nach Queenstown. Die Welthauptstadt für Abenteuer. Hier dreht sich alles um Action für Mutige und Verrückte. Man kann sich von Brücken, Seilbahnstationen und in Abgründe stürzen. Wer es lieber nass mag, kann sich aufs Wildwasser begeben. Entweder im Rafting-Boot oder auch einfach so. Wasserfall inklusive. Man kann sich auch am Seil durch eine Schlucht schwingen. Diese 300-Meter-Schaukel ist natürlich auch Weltrekord. Oder einen Zipp-Ride machen. Kennt man zuhause von Kinderspielplätzen: so eine Seilbahn über den Sandkasten hinweg; hier nur mit mehr Gefälle und ein paar hundert Meter lang einmal quer durch den Wald. Je nach individueller Fahrweise mehr oder weniger wild aber auch sehr lustig ist The Luge, quasi ein Autoscooter downhill. Super nach einer scenic Wanderung oben auf dem Berg über der Stadt. Ein großer Spaß ist die Tour mit 85km/h auf einem Jetboat durch die Canyons des Shotover River. Been there, done that, check.

Zwei Monate Tour reichen dann doch nicht, um alles mit dem Rad zu machen. Daher habe ich es in Queenstown in einen SUV geschmissen (in NZ machen diese Fahrzeuge nun auch mal Sinn) und bin für ein paar Tage zum Milford Sound gefahren. Hier ist nun schon wieder alles anders und am Ende der Straße ist man in einem beeindruckenden Fjord.

Lupins - man kennt das ja

Lupins – man kennt das ja

Es gibt hier tolle Touren, die man eingehüllt in Sandflies wandern kann. Aber gegenüber Mosquitos und Midges sind die Stiche (Bisse?) bei weitem nicht so itchy. Und das gute alte Deet tut, was Deet tun soll.
Zurück in Queenstown hab ich mich dann doch dagegen entschieden, irgendwo mit einem Seil an den Füßen runterzuspringen. Statt dessen habe ich mir ein Fahrrad gemietet. Eins mit Motor! Schön viele Steigungen unterwegs und herrlicher Gegenwind. Was für ein Spaß mit Batterie! Um die Reichweite zu erweitern hat der Vermieter ein paar Recharge-Arrangements mit Cafés an der Strecke. Ich finde, dort gibt es die beste Lemon Meringe der Welt.